Anke Huber: “Gibt im Moment niemanden, der die Lücke unmittelbar schließen könnte” | Eurosport.de-Interview
Als Sportliche Leiterin des Porsche Tennis Grand Prix ist Anke Huber dem Tennissport weiterhin eng verbunden. Im Interview mit Eurosport.de spricht die ehemalige Top10-Spielerin über die aktuelle Situation im deutschen Damen-Tennis und die Nachwuchsförderung in Deutschland. Sie erklärt, warum die WTA Tour keinen Showstar wie Nick Kyrgios braucht und welche Profis in den kommenden Jahren das Gesicht des Damen-Tennis prägen. "Emma Raducanu ist für mich jemand, der in Zukunft ganz vorne mitspielen kann", so die ehemalige Weltranglistenvierte. Darüber hinaus nennt Huber ihre Favoritinnen für den Porsche Tennis Grand Prix (18. bis 24. April live im Free-TV bei Eurosport 1).
Unten finden Sie ausgewählte Zitate aus dem Interview mit Anke Huber, die Sie mit Nennung der Quelle "eurosport.de" gerne in Ihrer Berichterstattung verwenden können. Zudem würden wir uns über eine Rückverlinkung auf einen der beiden Interview-Teile - Teil 1 (Emotionen/Kyrgios) | Teil 2 (deutsche Damen/Zukunft des Damen-Tennis) - freuen.
Anke Huber über…
…die Situation im deutschen Damen-Tennis: “Es findet gerade ein Umbruch statt. Das hatten wir immer mal wieder, auch nach der Zeit von Steffi, Barbara Rittner und mir. Da gab es dann eine Lücke von ein paar Jahren - und es kamen nicht sofort Kerber, Petkovic & Co. nach. Sicher ist, dass es im Moment niemanden gibt, der die Lücke unmittelbar schließen könnte, da müssen wir ganz ehrlich sein. Man hat auf ein paar Spielerinnen gesetzt, das hat nicht geklappt. Das passiert aber in vielen Ländern. Es ist nicht so, dass etwa in den USA oder in Frankreich alle fünf Jahre Top-10-Spielerinnen nachrücken. Meist kommen - wie in Deutschland - gleich zwei oder drei Spielerinnen aus einem Land hoch. Die pushen sich gegenseitig, aber häufig tritt dann wieder ein paar Jahre lang eine Pause ein. Ich hoffe, dass die bei uns dieses Mal nur zwei, drei Jahren dauert, ehe junge Spielerinnen aufhorchen lassen.”
…die Nachwuchsförderung in Deutschland: “Was die Sportförderung angeht, haben wir in Deutschland ein allgemeines Problem mit dem Schulsystem. In vielen Ländern wird es jungen Sportlerinnen und Sportlern mit Sportinternaten einfacher gemacht, Leistungssport zu betreiben. Vielleicht sind uns andere Nationen - ich denke da an Osteuropa - voraus, weil in Deutschland ein extrem großer Wert auf die Schulbildung gelegt wird. Ich würde mein Kind auch nicht mit 15 Jahren aus der Schule nehmen und sagen: 'Du wirst jetzt Tennisprofi.' Das kann man heutzutage nicht mehr machen. Um es zusammenzufassen: Ich sehe ein Problem im System, das aber viele Sportarten betrifft - nicht nur das Tennis.”
…(zu viele) Emotionen auf dem Tennisplatz: “Wenn alle nur geradeaus schauen und keinen Mucks von sich geben, wird es langweilig. Ich finde Emotionen nicht schlimm, aber es darf nicht beleidigend werden und muss in einem gewissen Rahmen bleiben. Die Frage ist, wie die Verbände das weiter handhaben. Man kann bestimmte Verhaltensweisen so nicht durchgehen lassen und erlauben. Es muss eine Grenze gesetzt werden!”
Sendehinweis: Eurosport überträgt den Porsche Tennis Grand Prix aus Stuttgart vom 18. bis 24. April live im Free-TV bei Eurosport 1 und im kostenlosen Livestream bei Eurosport mit Joyn. Die Live-Übertragungen umfassen von Montag bis Freitag jeweils zwei Partien ab 17:00 Uhr. Am Wochenende sind dann die beiden Halbfinals sowie das Endspiel live zu sehen.
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Fotocredit: Porsche Tennis Grand Prix