Bayerns Ministerpräsident Markus Söder im Exklusiv-Interview bei Matchball Becker
- Söders Prognose zur Öffnung der Tennisplätze: "Im März die ersten Perspektiven möglich"
- Söder über Impfstoff-Management: "Man hat ein Verfahren angewendet, wie man normalerweise Büroklammern bestellt"
Prominenter Gesprächspartner bei Boris Becker und Matthias Stach: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder war heute per Video-Schalte zu Gast in der Eurosport-Sendung „Matchball Becker“. Direkt nach dem Halbfinal-Duell zwischen Novak Djokovic und Aslan Karatsev hat Markus Söder im Gespräch mit dem Eurosport-Doppel Becker/Stach über seine Verbindung und Leidenschaft zum Tennis gesprochen und außerdem eine Prognose zur Öffnung der Tennisplätze gegeben. Außerdem könnte es bald zum Tennis-Doppel Becker/Söder in München kommen ...
Das komplette Gespräch ist unter folgendem Link verfügbar:
Anbei finden Sie die Mitschrift des Interviews. Die Aussagen stehen bei Quellenkennzeichen „Eurosport-Sendung Matchball Becker“ redaktionell zur Verfügung.
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder …
… erzählt, wie er zum Tennissport kam und wer sein Lieblingsspieler ist:
„Ich habe Tennis gelernt, als ich mal Hausarrest hatte. Damals habe ich auf einen alten Schwarz-Weiß-Fernseher eines der Wimbledon-Finals Borg gegen Connors gesehen. Da habe ich dann die Regeln gelernt. Deswegen war ich dann am Anfang immer ein Fan von Björn Borg und hatte dann auch meinen ersten Holzschläger. Dann fand ich John McEnroe richtig toll und dann fand ich Sie gut (Boris Becker, Anm. d. Red.). Wir sind dieselbe Generation. An dem Tag, als sie ihr erstes Wimbledon-Finale gewonnen haben, wurde ich im Mixed Vereinsmeister. Da waren wir alle beieinander. Und aus den letzten Jahren finde ich Roger Federer am Faszinierendsten, weil es immer noch so leicht wirkt, wie er spielt.“
… zum Angebot von Boris Becker einmal ein Mixed-Doppel zusammen zu spielen:
„Warum nicht? Wenn Sie es aushalten – ich halte es schon aus.“
… auf die Nachfrage von Boris Becker, dass hierzu erst wieder Tennisspielen in Bayern erlaubt sein müsste, und ab wann dies möglich sei:
„Irgendwann. Die Zahlen werden besser. Am Anfang habe ich gedacht: Australian Open mit Zuschauer, ist das eine gute Idee? Man muss ja sagen, dass Australien ein sehr konsequentes und erfolgreiches Management hat. Wir sind im Moment auch wieder auf einen sehr guten Weg. Jetzt liegen wir sehr, sehr gut und knapp über der 50er Marke. Wenn alles so bleibt, dann ist für eine Sportart wie Tennis im März die ersten Perspektiven möglich.
… Boris Becker, der Markus Söder von einigen Jahren auf der Wiesn getroffen hat, fragt ob die Wiesn dieses Jahr wieder stattfindet:
„Das kann Ihnen keiner sagen. Das hängt jetzt alles von der weiteren Entwicklung ab. Wir haben in Europa die schwierige Situation, dass sich Mutationen vorwiegend durchsetzen. […] Jeder wünscht sich immer bei Corona, dass wir ein genaues Datum planen können. Aber nicht das Datum bestimmt die Entscheidung, sondern die jeweilige Infektionslage. Deswegen plädiere ich lieber zur Vorsicht und in Schritten vorzugehen. Man muss den ersten Satz erst gewinnen, bevor man sich auf den fünften konzentrieren kann. Aber dass es ein längeres Match werden wird, damit müssen wir rechnen.“
… über das mögliche NoCovid-Vorbild Australien, wo das aktuelle Tennis-Geschehen sogar mit Zuschauern stattfindet und die generelle Sichtweise über Profis auf Turnieren und Impfen:
„Erstens: Es gibt die Diskussion, sollen Profis so eine Sportart überhaupt machen dürfen. Wenn sie es vernünftig machen und sich an die Regeln halten: Ja. Wir hatten beim Tennis auch ein paar nicht so glückliche Fälle gehabt. Punkt 1: Ja, wenn es der Beruf ist und wenn man sich an die Regeln hält. Punkt 2: Beim Impfen ist es in Europa so, dass leider nicht am optimalen Impfstoff-Management gearbeitet wurde: Man hat zu spät, zu wenig und ehrlicherweise glaube ich auch ein bisschen geizig bestellt. Man hat ein Verfahren angewendet, wie man normalerweise Büroklammern bestellt. Deswegen ist der Preis auch so gewesen, dass andere schneller Impfstoff bekommen haben. Wenn genügend Impfstoff da ist, kann man über alles reden. Aber im Moment ist es einfach am Wichtigsten, die die sterben können und wirklich hochgefährdet sind, zu impfen. Deswegen sind Sportler nicht die erste Priorität, sondern die erste Priorität ist dann lieber, dass die Sportler sich an die Regeln halten. Noch ein Wort zu Australien: Es wird in Europa ja immer diskutiert NoCovid ja oder nein. Ich sag mal so, je konsequenter man es macht, ist es zwar für den Moment beschwerlicher, aber man hat am Ende viel mehr Freiheiten.“
… auf die Frage von Boris Becker: Können im Mai die BMW Open in München vielleicht mit einem Eröffnungsdoppel mit uns beiden – Becker/Söder – stattfinden?
„Wer weiß – ich verspreche immer gar nichts, weil ich gemerkt habe, dass Prognosen wenig halten. Schauen Sie, vor sechs oder sieben Wochen standen wir vor einer ganz dunklen Stunde vor Weihnachten. Was in sechs oder sieben Wochen sein wird, weiß ich nicht. Ausschließen würde ich es nicht. Es hätte ja auch eine wahnsinnige psychische Wirkung, wenn wir zusammen Doppel spielen. Da bin ich ganz sicher, dass wir uns vor viel Zuspruch und Häme – befürchte ich auch (lacht) – gemeinsam kaum retten können. Aber da müssen wir dann durch.“
… auf eine sinngemäße Aussage in einem Spiegel-Artikel, dass Söder ‚Tennis spielen würde, wie er Politik mache‘. Was kann man sich darunter vorstellen?
„Nein, das war, glaube ich, eine unfreundliche Bezeichnung. Ich habe erzählt, dass es zwar große Vorbilder gab, aber dass ich vom Tennis nicht das Niveau hatte. Deswegen fand ich von der Strategie Brad Gilbert immer recht erfolgreich. Weil Brad Gilbert eigentlich nicht das Niveau hatte, wenn man ehrlich ist mit den ganzen Gegnern mitzuspielen. Er hatte wenige überragende Schläge, aber er hat es mit einer sehr geschickten Art gemacht dann doch zu gewinnen und den einen oder anderen doch aus dem Rhythmus zu bringen. Früher als ich gespielt habe, habe ich vornehmlich in der Bezirksklasse und in der Jugend Bezirksliga gespielt. Auch bei Herren-Mannschaftsspielen habe ich immer hinten an Position 4 oder 6 gespielt. Das heißt, die absoluten technischen Super-Boys haben vorne gespielt. Die Jung-Stars, die mit 40 Schlägern, 50 Handtüchern und 14 Betreuern kommen. Bei mir war es so, dass meine Eltern bespielweise nicht mit dabei waren. Die haben sich nicht so für den Sport interessiert und ich war schon dankbar, dass sie mir ein paar Tennisstunden bezahlt haben. Ich habe wie die meisten an diesen Tenniswänden, die man so kennt, begonnen. Wenn man weiter hinten spielt und sich dann manchmal in einem Tennisverein so einer großen Lobby entgegensetzt, dann muss man klug spielen. Da fand ich diese Idee von Brad Gilbert so zu spielen, dass man gewinnt, besser als nur schön zu spielen. Schön spielen ist gut, aber gewinnen ist besser.“
… über die Entwicklung von Sascha Zverev:
„Also ich würde sagen, bei ihm hängt es in erster Linie von seiner inneren Einstellung ab. Er hat alles, was man für einen super Spieler bräuchte. Er hat die Größe, Kraft, Technik und großartige Schläge. Ich fand auch, dass er gegen Djokovic super gespielt hat. Das konnte ich mir ein bisschen anschauen. Das muss man sagen. Aber vielleicht bräuchte er noch einen guten Coach – einen zusätzlichen Coach. Ich glaube, dass es eine Frage des Mindset ist – wie man heutzutage im Neudeutsch sagt. Wenn er es auch noch schafft ein bisschen andere Dinge nebenbei, diese privaten Sachen und Schwierigkeiten, auszublenden und er es schafft sich auf das zu konzentrieren. Von außen betrachtet, muss ein Tennisspieler schon diesen Tunnelblick haben. Ich habe mal von Ihnen, Herr Becker, ein Zitat gelesen, das mich als junger Mensch sehr beeindruckt hat: ‚Man ist nur so lange gut, solange es für einen das wichtigste auf der Welt ist zu gewinnen und das schlimmste zu verlieren. Wenn man sich mal an das Verlieren gewöhnt, dann verliert man dauerhaft.‘ Das habe ich mir gemerkt. Das fand ich ganz interessant. Diese innere totale Bereitschaft für den Erfolg, wenn er die hat und die hat er manchmal, dann hat er echt alles drauf und kann alles werden. Aber das muss er dauerhaft etablieren. Ich glaube, das ist alles und dann kann er auch ein ganz Großer werden. Er ist ja schon ein unglaublich starker Spieler.“
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