Biathlon-Experte Rösch: "Bei den Männern muss man die Erwartungen deutlich herunterschrauben" | Eurosport-Interview
- "Super gelunger Auftakt" für deutsche Frauen
- "Befürchtung, dass Lesser lange für seine Olympiaqualifikation brauchen wird"
- "Hinz und Hettich stehen jetzt schon unter Druck"
1. Dezember 2021 - Eurosport-Experte Michael Rösch ordnet im Gespräch mit eurosport.de den Weltcupauftakt der Biathlet:innen in Östersund ein. Der Staffel-Olympiasieger von 2006 sieht einen "super gelungenen Auftakt" für das deutsche Frauen-Team, aus dem Denise Hermann und Franziska Preuß ihr Olympia-Ticket schon in der Tasche und mit Vanessa Voigt und Anna Weidel zwei weitere Athletinnen bereits die halbe Qualifikationsnorm erfüllt haben. Anders die Situation bei den Männern, wo Philipp Nawrath zwar die Quali für die Winterspiele in Peking einfuhr, nach den Rücktritten von Arnd Peiffer und Simon Schempp allerdings keine Wunderdinge erwartet werden können. "Bei den Männern muss man die Erwartungen im Vergleich zu den letzten Jahren einfach deutlich herunterschrauben", sagt Rösch.
Unten finden Sie die Aussagen von Michael Rösch zu den unterschiedlichen Themenkomplexen, die sie mit Nennung der Quelle "eurosport.de" gerne in ihre Berichterstattung aufnehmen können. Über eine zusätzliche Rückverlinkung auf die Seite von eurosport.de würden wir uns freuen.
Eurosport-Experte Michael Rösch nach dem Saisonauftakt in Östersund über …
… den Saisonstart der Damen: “Ich hatte im Vorfeld schon gedacht, dass es bei den Frauen tendenziell leichter werden wird als bei den Männern. Es war ein super gelungener Auftakt.”
… Franziska Preuß: “Bei Franziska Preuß war zu sehen, dass sie jetzt schon unfassbar fit ist. Beim Schießen muss sie sich an das hohe Laufniveau aber noch etwas angleichen. Das wird aber kommen. Sie weiß, dass sie schnell ist und irgendwann wird sie auch treffen. Dann ist sie sofort vorne dabei. Fertig, aus.”
… Druck für Vanessa Hinz und Janina Hettich: “Für Vanessa Hinz und Janina Hettich könnte es ein schwieriger Saisonauftakt werden. Beide machen mir läuferisch ein bisschen Bauchschmerzen, waren auch selbst nicht zufrieden. Und von hinten drängen gute Athletinnen im IBU Cup nach oben. Franziska Hildebrandt hat zuletzt mit zwei Siegen auf sich aufmerksam gemacht. Hinz und Hettich stehen jetzt schon unter Druck.”
… die "halbe Olympianorm" für Vanessa Voigt und Anna Weidel: “Das bringt erstmal Ruhe rein, egal wer es ist. Vor allem bei einer junge Sportlerin wie Vanessa Voigt, die letztes Jahr zum ersten Mal im Weltcup war. Sie hat sich das redlich verdient. Anna Weidel hat mich im Sprint positiv überrascht. Das muss man so läuferisch erstmal bestätigen. Trotzdem haben beide hier und da noch Anschlussprobleme. Man muss ihnen auch noch Zeit geben.”
… die deutschen Biathleten allgemein: “Bei den Männern muss man die Erwartungen im Vergleich zu den letzten Jahren einfach deutlich herunterschrauben. Das ist einfach so. Ein Justus Strelow wird 13. im Einzel und dann heißt es: ‘Geil, bester Deutscher. Was kommt da bloß nach!?’ Aber in der Analyse sieht man, dass er dreieinhalb Minuten im Laufen zurück war. Ich will das überhaupt nicht schlecht reden, aber er braucht einfach noch ein bisschen Zeit. Strelow ist mit 25 Jahren jetzt der jüngste im Team. Früher hattest du schon 21-Jährige als Nesthäkchen mit dabei. Der Nachwuchs fehlt ganz einfach. Mit Johannes Kühn kommt jetzt zumindest wieder jemand zurück, der auch vorne mitlaufen kann, wenn er trifft. Insgesamt haben viele Top-15-Läufer, die aber auch schnell mal unter die Top 6 laufen können, wenn die Schießleistung stimmt.”

… die Lücke, die die Rücktritte im Männer-Bereich hinterlassen und wer sie am ehesten schließen kann: “Vor den ersten Rennen war es für mich ganz klar Benedikt Doll. Ich nenne ihn liebevoll die Pferdelunge. Er hat einfach unglaubliche Kapazitäten auf der Strecke, das hat er auch im vergangenen Jahr angedeutet. Er ist für mich ein Podestläufer, aber zuletzt hat er sein Schießen überhaupt nicht im Griff gehabt. Auch bei der WM nicht, immer waren es ein oder zwei Fehler zu viel. Zudem hat mich seine Aussage “mein Ziel sind rund 90 Prozent Trefferquote” gewundert. 100 Prozent Trefferleistung muss das Ziel sein. Für mich versucht er so ein wenig, die Erwartungshaltung herunterzuschrauben. Aber trotzdem: Wenn er trifft und gut läuft ist er für mich die Nummer eins im deutschen Team.”
… Platz 6 im Sprint für Philipp Nawrath: “Philipp Nawrath hat mich nicht wirklich überrascht. Ich kenne seine Stärken. Er hat viel mit Benedikt Doll trainiert, hatte also auch da schon die Vergleiche mit einem Topmann. Das gibt ihm ein gutes Gefühl. Auch im Einzel war er in der Laufzeit schon stark. Nawrath wird sich in den kommenden Jahren mehr und mehr festigen. Aber die Lücke, die Arnd Peiffer und Simon Schempp hinterlassen haben, ist schwer zu schließen. Trotzdem: Zusammen mit Roman Rees, der mich durchaus überrascht hat, kann er schon regelmäßig in die Top 20 laufen.”
… ein schwieriges Jahr für Erik Lesser: “Erik Lesser wird es wieder schwer haben in diesem Jahr. Er hatte jetzt auch wieder einen Infekt, das zieht sich dann mal gerne zwei bis drei Wochen hin. Ich hoffe es nicht, aber ich habe die Befürchtung, dass Erik lange für seine Olympiaqualifikation brauchen wird - wenn er sie denn schafft. Wir brauchen ihn für die Staffel.”
Sendehinweis:
Michael Rösch kommentiert ab Donnerstag auch die zweite Station des Biathlon-Weltcups auf der "Road to Beijing" gemeinsam mit Eurosport-Kommentator Sigi Heinrich.
Die Sendezeiten für den Weltcup der Biathlet:innen in Östersund bei Eurosport 1 im Free-TV:
- Donnerstag, 2. Dezember, 13:35 Uhr (Sprint Frauen) & 16:30 Uhr (Sprint Männer)
- Samstag, 4. Dezember, 13:00 Uhr (Verfolgung Frauen) & 15:10 Uhr (Verfolgung Männer)
- Sonntag, 5. Dezember, 12:35 Uhr (Staffel Frauen) & 15:05 Uhr (Staffel Männer)
Zudem sind die alle Rennen auch im kostenlosen Livestream mit Joyn sowie alle Wettbewerbe werbefrei bei Eurosport mit Joyn PLUS+ zu sehen.
Auf dem Weg zu den Olympischen Winterspielen in Peking 2022 bietet Discovery Sports den Fans bei Eurosport und über seine digitalen Plattformen mehr als 1.000 Stunden an Live-Inhalten von den wichtigsten Wintersport-Events. Neben den Weltcups und Weltmeisterschaften in den von der Fédération Internationale de Ski (FIS) organisierten Sportarten (Ski alpin, Skispringen, Langlauf, Nordische Kombination sowie Snowboard, Freestyle und Freeski) beinhaltet das Portfolio von Discovery Sports auch die Rechte an den Biathlon-Weltcups und -Weltmeisterschaften sowie die Weltcups, Grand Prix’ und Weltmeisterschaften im Eiskunstlauf, Eisschnelllauf und Short Track.
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