Boris Becker exklusiv im Eurosport-Podcast ´Das Gelbe vom Ball´: Darum ist die Kritik der Kollegen an Zverev falsch
- Becker über Zverev: "Es geht nicht immer nur besser, höher und weiter"
- Becker über die Reaktionen: "Was ich überhaupt nicht gut finde, ist, wenn andere Spieler das kritisieren"
- Becker über Alcaraz: "Nein, er ist noch nicht der Beste"
- Becker über Marias Turniersieg: "Das sind die schönen Geschichten, die der Tennissport schreibt"
Eurosport-Experte Boris Becker nimmt in der neuen Folge des Eurosport-Tennis-Podcasts "Das Gelbe vom Ball" die großen Themen der Tennisszene unter die Lupe. Im sportlichen Doppel mit Moderator Matthias Stach spricht der sechsmalige Grand-Slam-Sieger über die Situation von Alexander Zverev, der seit den Australian Open seiner Form hinterläuft, ordnet die zunehmenden Ausraster im Männer-Tennis ein und warnt Spaniens Senkrechtstarter Carlos Alcaraz davor, dem eigenen Hype zu glauben. Besondere Anerkennung zollt Becker Tatjana Maria, die als zweifache Mutter gerade das Turnier in Bogota gewonnen hat.
Unten finden Sie die Aussagen von Boris Becker zu den unterschiedlichen Themenkomplexen, die sie mit Nennung der Quelle “Eurosport-Podcast ‘Das Gelbe vom Ball’” gerne in ihre Berichterstattung aufnehmen können. Über eine zusätzliche Rückverlinkung auf die Seite von eurosport.de oder die komplette Episode würden wir uns freuen.
Einige der Aussagen finden Sie zudem auf eurosport.de als Videos. Auch diese Videos können Sie gerne als Ergänzung oder Erweiterung in ihrer Online-Berichterstattung verwenden. Über den Share-Button oben rechts finden Sie ein Popup, das mit einem Klick einen Embed-Code zum Einbetten des Videos auf Ihrer Webseite zur Verfügung stellt.
Eurosport-Experte Boris Becker über...
...die Situation bei Alexander Zverev: "Sascha war eine Woche davon entfernt, die Nummer eins zu werden. Jetzt ist er ganz woanders. Das kann im Sport eben auch passieren. Ich glaube, emotional war das für ihn ein Schritt nach hinten. Das hat er gespürt. Und dann kam natürlich sein Malheur in Acapulco - ich nenne es mal so. Da ist er im Doppel wirklich einfach ausgetickt und er hat zu Recht eine Strafe bekommen. Das wirft einen natürlich wieder ganz nach hinten und bis man da wieder die innere Ruhe und auch die Form hat - das dauert.
Das Gute ist, dass er sich auch auf Sand sehr wohl fühlt und jetzt auch alle Chancen hat. Der Druck ist so ein bisschen weg. Ich glaube, die Erwartungshaltung bei ihm und bei den Tennis-Experten ist jetzt nicht, dass er einer der Favoriten für den nächsten großen Turniersieg ist. Vielleicht tut ihm das ganz gut. Er kann sich jetzt wieder die Form erarbeiten und erspielen, bis er dann in Topform ist, um vielleicht sogar Paris gewinnen zu können. Er ist alt genug, er ist schlau genug, er ist talentiert genug. Durch solche Täler geht man im Sport. Es geht nicht immer nur besser, höher und weiter. Man hat manchmal eine Krise und macht einen Schritt zurück. Wichtig ist, das zu erkennen, ehrlich mit sich umzugehen und auch das Umfeld zu verbessern oder zu verändern."
...die Zusammenarbeit von Zverev mit Sergi Brugera: "Brugera wird ihm auf Sand gut tun. Die Frage ist: Wie geht es seinem Vater? Ist er wieder dabei? Ich glaube, er hat ihm in diesen Krisenmomenten Anfang des Jahres auch ein bisschen gefehlt. Da muss wieder ein homogenes Team zusammenwachsen. Davon profitiert dann auch Sascha."
...die zunehmenden Ausraster der jungen Generation um Sascha Zverev: "Ich weiß, wie man Schläger zerhackt oder auch mal mit dem Schiedsrichter nicht schön umgeht. Deswegen werde ich ihn da auch jetzt nicht kritisieren. Aber auch ich wurde bestraft. Auch ich wurde nicht gesperrt, aber ich wurde bestraft und dann wacht man auf. Und ja, die Grenze ist dünn. Was lässt man noch zu? Wie Medvedev den Schiedsrichter in Melbourne beleidigt hat. Da ist ja John McEnroe schon fast harmlos. Oder Nick Kyrgios - was der auf dem Platz alles macht... Wir in unserer Generation waren auch schlimm, aber die Jungs heute, die sind mindestens genauso schlimm."
"Was ich überhaupt nicht gut finde, ist, wenn andere Spieler das kritisieren. Wir sind alle nicht perfekt, jeder rastet mal aus"
... über Strafen und die Kritik von anderen Spielern: "Wenn du einem Spieler verbietest, bei Turnieren mitzuspielen, ist das die Höchststrafe. Wo sie garantiert aufwachen ist, wenn sie mal vier, fünf Turniere nicht spielen dürfen. Was ich überhaupt nicht gut finde, ist, wenn andere Spieler das kritisieren. Da muss jeder wirklich bei sich bleiben und in den Spiegel gucken. Wir sind alle nicht perfekt, jeder rastet mal aus und das macht man einfach nicht. Ich nenne die Tennisspieler auch Mannschaftskameraden, da sollte man Fehlverhalten von anderen wirklich nicht öffentlich kommentieren. Ich finde das falsch. Die Strafen sind da, die müssen nicht neu erfunden werden. Die Frage ist, was passieren muss, damit ein Spieler dann wirklich mal über Wochen bestraft wird?"
...den Vergleich zu seiner aktiven Zeit: "Ich bin ganz froh, dass wir da sozusagen unter Ausschluss der sozialen Medien und der Mikrofone spielen und letztendlich auch ausrasten durften. Da haben es die Spieler heute schwieriger. Es ist alles extrem gläsern, extrem transparent, für meinen Geschmack zu transparent. Und dann ist die Frage wie geht die Tennis Autorität damit um? Tennis ist irgendwo auch ein Unterhaltungssport. Ich will auch keine Computer und Maschinen auf dem Platz sehen. Emotionen sind gut, so ein bisschen Blut, Schweiß und Tränen, das regt an, das war auch bei uns schon so. Aber alles hat eine Grenze."
...Carlos Alcaraz: "Er darf jetzt nicht den eigenen Hype glauben. Nein, er ist noch nicht der Beste. Er ist der Senkrechtstarter der Szene. So wie er dieses Jahr gespielt hat, gab es nur einen Spieler, der besser war und der kommt auch aus Spanien. Aber die Sandplatz-Saison ist anstrengend, die Matches sind länger. Ich hoffe nicht, dass er jetzt Monte Carlo, Barcelona, Madrid, Rom spielt, weil es dann für meinen Geschmack zu viel wird. Er muss mal eine Pause machen, weil auch er nur ein Mensch ist und auch mal müde. Wenn man müde weiterspielt, kommen die ersten Verletzungen. Da ist es ganz wichtig, den schmalen Grat zu finden, was an Turnieren, an Matches gut ist und was zu viel?"
...den Turniersieg von Tatjana Maria in Bogota: "Wir Männer können sowieso nicht nachvollziehen, wie es überhaupt ist ein Baby zu bekommen - und dann wieder Tennis zu spielen, das ist für mich unmöglich. Dass Tatjana Maria es jetzt mit zwei Kindern geschafft hat und aus der Quali heraus, ist unglaublich und hat meine größte Anerkennung, meinen größten Respekt. Das sind die schönen Geschichten, die der Tennissport schreibt."