"Djokovic kann den Golden Slam gewinnen": Wilander und Corretja exklusiv über Wimbledon, Olympia, diverse Absagen und einen "Übermenschen"
- Wilander: "In diesem Jahr kann Novak in meinen Augen den Golden Slam gewinnen"
- Wilander: "Osaka wird auf Hartplatz stärker denn je zurückkommen"
- "Das ist alarmierend": Fragezeichen hinter Federer
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
anbei finden Sie zwei längere, englische Interviews mit den Eurosport-Tennis-Experten Mats Wilander und Alex Corretja, die sich nach den French Open nun der Rasensaison und deren großem Highlight Wimbledon widmen sowie nach den diversen Absagen schon mal einen Ausblick auf das Olympische Tennisturnier in Tokio wagen.
Im Folgenden finden Sie einige bereits übersetzte Zitate der beiden Eurosport-Experten - die kompletten Interviews (englisch) finden Sie im Anhang. Mit Quellennennung "Eurosport" können Sie die Zitate im redaktionellen Kontext gerne verwenden. Über eine Rücklink auf die Eurosport-Tennis-Seite würden wir uns sehr freuen.
Eurosport-Experte Mats Wilander über...
...Roger Federers Selbstkritik an seiner Einstellung und Körperhaltung: "Es ist alarmierend, dass er selbst darüber spricht. Ich bin mir nicht sicher, ob er es jemals gezeigt hat oder nicht. Ich habe ihn einmal gegen Gustavo Kuerten in Roland-Garrs gesehen, wo er so aussah, als ob er kein Interesse hätte, dort zu sein und lieber auf den Rasenplätzen spielen wollte. Ich denke also, dass er sich höchstwahrscheinlich schon einmal so gefühlt hat, aber dass er tatsächlich mit dem Finger auf sich selbst zeigt - das ist alarmierend."
...Naomi Osakas Entscheidung auf Wimbledon zu verzichten und bei Olympia zu starten: "Sie wird noch zehn Jahre lang in Wimbledon spielen. Die Olympischen Spiele werden in ihrer Heimat auf ihrem besten Belag gespielt. Es wird eine neue Generation von Sportlern in Japan inspirieren und ich finde ihre Entscheidung komplett okay, Wimbledon auszulassen und für die Olympischen Spiele bereit zu sein.
Ich denke, dass sie über die Konsequenzen ihrer Präsenz in den sozialen Medien nachdenken muss und ich denke, sie wird aus dieser Erfahrung mehr lernen, als wir uns vorstellen können. Also erwarte ich, dass sie stärker denn je zuvor zurückkommt, wenn sie wieder auf Hartplätzen steht."
...die weitere Saison von Novak Djokovic: "Ich glaube, er will sich selbst zeigen, dass er übermenschlich ist. Und wenn ich ihn spielen sehe, denke ich, er ist übermenschlich. Ich denke, sein Körper kann damit umgehen. Ich habe tatsächlich das Gefühl, dass er höchstwahrscheinlich Matches spielen muss, um die Intensität hoch zu halten - also ist dies ein Jahr, in dem Novak in meinen Augen den Golden Slam gewinnen kann."
...das Formtief von Dominic Thiem: "Dominic Thiem, der mit Ende 20 sein erstes Major gewinnt und sich dann so fühlt, wie er sich fühlt, erinnert mich daran, was mir passiert ist, nachdem ich 1988 die US Open gewonnen habe - auch wenn das mein siebter Grand-Slam-Sieg war. Ich hatte das Gefühl, die Nummer eins der Welt zu sein - das war mein materialistisches Ziel. Es ist passiert und ich konnte eine Zeit lang keine Motivation finden, deshalb kann ich Dominic Thiem mehr als alles andere verstehen."
Eurosport-Experte Alex Corretja über...
...die Entscheidung von Rafael Nadal, Wimbledon und Olympia auszulassen: "Ich muss sagen, ich war ziemlich beeindruckt von Rafas Entscheidung, Wimbledon nicht zu spielen. Ich habe damit gerechnet, dass Rafa dieses Jahr die Olympischen Spiele auslässt, weil er bereits Gold im Einzel und im Doppel gewonnen und die Fahne für Spanien getragen hat. Ich wusste also, dass die Grand Slams für ihn im Moment das Wichtigste sind.
Die beste Vorbereitung für die US Open wäre wahrscheinlich, sich nach Wimbledon ein bisschen auszuruhen und sich dann vorzubereiten. Dass er nicht in Wimbedon spielt - was er nach Roland-Garros unmissverständlich gesagt hat - zeigt, dass er den US Open Priorität einräumt. Und warum? Weil seine Chancen auf Hartplatz vermutlich größer sind als auf Rasen. Ich denke, er braucht Zeit, um sich auszuruhen und zu erholen, damit sein Körper und sein Spiel wieder frischer werden. Es ist ähnlich wie bei Roger in Roland-Garros. Irgendwann muss er sich entscheiden, welche Turniere für ihn die besten sind."
...das Comeback seines ehemaligen Schützlings Andy Murray: "Er hat wie verrückt gelitten. Er hat sehr gekämpft und gemerkt, wie sehr er Tennis liebt - viel mehr als vor zehn Jahren, als er er ein unglaublicher Tennisspieler war. Aber wahrscheinlich hat er da nicht gemerkt, dass er Tennis so sehr liebt. Ich denke, es wird sehr schwierig für ihn, zu seinem besten Tennis zurückzukehren, weil ich glaube, dass er alles gegeben hat. Jetzt muss er einfach spielen, Spaß haben und genießen und dann sehen, was kommt - aber nicht mit großen Zielen. Ich würde Andy keine großen Ziele empfehlen, nur sagen: 'Okay, lass uns sehen, ob ich das erreichen kann - und dann genießen'."