Eurosport: Stimmen von IOC-Präsident Bach und TeamD-Athleten Kaul und Zeidler zur Olympia-Verschiebung
Nachdem das Internationale Olympische Komitee (IOC) und das Organisationskomitee Tokyo 2020 in einer gemeinsamen Erklärung die Verschiebung der Olympischen Spiele ins Jahr 2021 bekanntgegeben haben, hat Eurosport Stimmen von IOC-Präsident Thomas Bach eingeholt und im neuen Format „Extra Time – der Eurosport-Podcast" mit den TeamD-Athleten Oliver Zeidler (Ruder-Weltmeister) und Niklas Kaul (Zehnkampf-Weltmeister) über die Entscheidung gesprochen.
Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) Dr. Thomas Bach erklärt im Video bei Eurosport die Verlegung der Olympischen Spiele Tokyo 2020:
„Wir mussten diese Entscheidungen in vollem Bewusstsein über die Gefährlichkeit dieser Pandemie treffen und ganz besonders der Auswirkungen, die diese auf das Leben so vieler Menschen weltweit hat. Diese Entscheidung soll die Gesundheit der Athleten und aller an den Olympischen Spielen beteiligten Menschen schützen und zur Eindämmung des Virus beitragen. Diesbezüglich haben die Nachrichten der letzten Tage unsere Sorge verstärkt. Wir haben den Beginn eines Ausbruchs des Virus in Afrika erlebt, wir haben die schnell wachsenden Zahlen in Südamerika gesehen und auch einen Ausbruch auf den Inseln in Ozeanien. Die Weltgesundheitsorganisation hat erklärt, dass die Verbreitung beschleunigt werden würde. Das war der Zeitpunkt, an dem wir in einem Telefongespräch mit Premierminister Abe übereinkamen, auf diese Situation zu reagieren. Das Ergebnis ist, dass wir die Olympischen und Paralympischen Spiele Tokio 2020 auf das Jahr 2021 verschoben haben.“
Thomas Bach auf die Frage, welche Herausforderungen diese Entscheidung für das IOC und alle Beteiligten darstellt:
„Das ist eine enorme Herausforderung. Es ist wie ein riesiges Puzzle. Denn die Olympischen Spiele sind das komplexeste Event der Welt. Es geht darum, 11.000 Athleten aus 206 Nationalen Olympischen Komitees und das IOC-Flüchtlingsteam zusammenzubringen. Und es geht nicht nur darum, dass sie gemeinsam Sport treiben, sondern auch um das gemeinsame Leben im olympischen Dorf. Es geht um die Wettkampfstätten, die Organisation, die Partner und Sponsoren, die Broadcaster, die internationalen Verbände und den weltweiten Sportkalender. Ich könnte noch Tausende weitere Fragen nennen, die jetzt anzugehen sind. Wir müssen Geschlossenheit zeigen. Nach dem Telefonat mit Premierminister Abe kann ich sagen, dass sich die japanische Regierung voll und ganz für den Erfolg dieser Olympischen Spiele einsetzt und auch ich habe das volle Engagement des IOC erklärt. Wenn wir an dieser Partnerschaft festhalten und mit dem Beitrag und dem Verständnis aller Beteiligten, bin ich überzeugt, dass wir es schaffen – mit wahrhaft olympischen Einsatz und im olympischen Geist.“
Weiter sagte Thomas Bach bei Eurosport:
„Die positive Botschaft der heutigen Entscheidung ist für die Athleten, Fans, Zuschauer, für alle, die an Olympischen Spielen interessiert sind: Ja, es wird die Olympischen Spiele von Tokyo 2020 geben, organisiert im Jahr 2021. Zudem wollen wir die Hoffnung ausdrücken, dass diese Olympischen Spiele ein Fest der Menschlichkeit sein können: Gemeinsam zu feiern, dass wir diese große und nie dagewesene Herausforderung des Corona-Virus überwunden haben werden und wir dann hoffentlich am Ende dieses dunklen Tunnels stehen, in dem wir alle gerade stecken. Wir wissen nicht, wie lange er ist, aber wir können die Olympische Flamme als ein Licht am Ende des Tunnels sehen.“
Der Link zum Interview mit Thomas Bach: https://video.eurosport.de/olympia/corona-tokio-2020-so-erklart-bach-die-olympia-verlegung_vid1307226/video.shtml
Niklas Kaul: "Ich träume schon seit 20 Jahren von Olympia, da kann ich das eine Jahr jetzt auch noch länger warten"
Darüber hinaus hat Eurosport im Podcast "Extra Time – der Eurosport-Podcast" mit den TeamD-Athleten Oliver Zeidler (Ruder-Weltmeister) und Niklas Kaul (Zehnkampf-Weltmeister) über die Entscheidung gesprochen.
„Es ist absolut die richtige Entscheidung", so Oliver Zeidler bei Eurosport, der aber auch von gemischten Gefühlen spricht: „Einerseits bin ich enttäuscht, jetzt nicht die Chance zu haben, dieses Jahr in Tokio um Medaillen zu kämpfen. Andererseits bringt das uns Athleten jetzt Klarheit und ich bin froh, dass eine Lösung gefunden wurde, mit der hoffentlich alle zufrieden sind.“
„Über die letzten Monate hinweg hieß es immer, dass sich das IOC mit der WHO austauscht. Jetzt zu sagen, dass die WHO plötzlich gemeint habe, dass es zu gefährlich ist, obwohl die Fallzahlen ja in Asien, zumindest in China, mittlerweile stark abnehmen, halte ich doch für eigenartig. Ich glaube, da hat sich das IOC doch eher dem Druck der nationalen Komitees, die mit Boykott gedroht haben, gebeugt und eingelenkt“, so Zeidler weiter zu den Beweggründen.
Niklas Kaul hat sich im Eurosport-Podcast "Extra Time" einverstanden mit der Verschiebung der Olympischen Spiele gezeigt:
„Ich träume schon seit 20 Jahren von Olympia, da kann ich das eine Jahr jetzt auch noch länger warten. […] Wir können ja momentan aufgrund der Empfehlungen der WHO, die auf jeden Fall gerechtfertigt sind, nicht trainieren. Das ist am Ende ausschlaggebend. Die Stimmen der Athleten, die gesagt haben, wir können uns nicht richtig vorbereiten, so macht das keinen Sinn, das sind nicht die Olympischen Spiele, die wir uns vorgestellt haben, das ist nicht das Olympia, für das die olympische Bewegung stehen sollte, sind weltweit immer lauter geworden. Was passiert, wenn man in einer Metropole wie Tokio mit 38 Millionen Einwohnern nur ein paar Infizierte im Olympischen Dorf gehabt hätte, kann man auch nicht wirklich einschätzen."
„Extra Time – Der Eurosport-Podcast“ mit dem täglichen Sport-Update zur Corona-Krise
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