Rittner exklusiv: "Angie hat sich in die Weltklasse zurückgespielt"
- Rittner exklusiv: "Kerber ist einfach eine natürliche Rasenspielerin"
- Rittner exklusiv: "Mit ihr ist auf jeden Fall wieder zu rechnen"
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
unten finden Sie ein exklusives Interview, das eurosport.de mit Damen-Bundestrainerin und Eursport-Expertin Barbara Rittner nach dem Ausscheiden von Angelique Kerber im Halbfinale von Wimbledon geführt hat. Bei Quellennennung "eurosport.de" können Sie die Zitate gerne für Ihre redaktionelle Berichterstattung verwenden.
Barbara Rittner über...
...die Gründe für die wiedererstarkte Angelique Kerber in Wimbledon: "Sie ist einfach eine ganz natürliche Rasenspielerin. Ich habe damals schon gesagt, dass sie auf Rasen die Chance hat, sich dieses Selbstvertrauen, was ihr vorher gefehlt hat, zurückzuspielen. Wir haben schon in Berlin gesehen, da hat sie eine sehr gute erste Runde gegen Doi gewonnen und dann gegen Azarenka knapp verloren. Das einzige, was da fehlte, war die eigene Überzeugung und das Selbstvertrauen durch gewonnene Matches. Sie hat diese gute Form mitgenommen und dann den Schwung ihres Heimturniers in Bad Homburg. Ganz wichtig dort war der Halbfinal-Sieg gegen Petra Kvitova. Den Schwung des Turniersiegs hat sie mitgenommen nach Wimbledon, wo sie eine harte zweite Runde gespielt und überstanden hat. Peu a peu ist das Selbstvertrauen zurückgekommen. Dann hatte sie auch wieder die Ausstrahlung 'Hey, auf Rasen muss mich erstmal jemand schlagen.'
Natürlich ist sie auch eine, die von Atmosphäre und Emotionen lebt. Angie ist jemand, der sowas aufsaugt. Sie hat eine so lange Karriere hinter sich, da spielen diese Emotionen einfach eine große Rolle, um diese Extraprozente aus sich herauszuholen. Das hat sie aber in Bad Homburg und eigentlich auch schon in Berlin unglaublich genossen. Und auch in Wimbledon, das hat sie ja selber immer wieder betont, wie viel ihr das bedeutet und wie sehr sie das gerade vor leeren Rängen vermisst hat. Und das muss man dann auch verstehen, dass wenn jemand schon so lange dabei ist und schon drei Grand Slams gewonnen hat, dann fehlt einem diese Atmosphäre, die man kennt und für die man ja auch spielt. Sie sagt auch immer, wie wichtig ihr die Fans sind. Das ist - glaube ich - die Begründung für diesen Turnaround."
...den kurzen Zeitraum für die positive Wandlung: "Die Hauptgrundlage ist, dass sie die ganze Zeit hart trainiert und hart gearbeitet hat. Wenn das nicht gewesen wäre, wenn die körperlichen Voraussetzungen nicht da sind, dann wirst du auch nach einem engen Match nicht weiter gewinnen können, weil dir was wehtut. Sie hat sich nicht verletzt, das heißt, sie hat sich wirklich topfit präsentiert. Weil sie in den letzten Wochen und Monaten, auch wenn wenig Erfolge da waren, immer wieder weiter hart gearbeitet hat. Das ist auch etwas, was Angie ausmacht, ihr Durchhaltevermögen - tagein und tagaus im Training immer wieder die Komfortzone zu verlassen und darum zu kämpfen, dass sie die Chance dann nutzt, die sie hat."
...die Gründe für das verpasste Finale: "Es hat nicht gereicht, weil sie gegen die Nummer eins der Welt gespielt hat, die ein sehr gutes Match gespielt hat. Wie ich finde, war es ihr bestes Spiel in diesem Turnierverlauf. Sie hat sehr gut aufgeschlagen, hat Angie eigentlich kaum Möglichkeiten gelassen. Die einzige kleine Chance war, dass sie beim 5:3 im zweiten Satz, zum Satz serviert hat. Aber auch da hat Barty ihr ganz wenig gegeben. Mit viel Variation und mit ihrer Aufschlagstärke hat sie Angie ganz knapp mit 6:3, 7:6 in die Schranken gewiesen."
...ihre Erwartung an die weitere Saison von Angelique Kerber: "Ich hoffe, dass sie das jetzt erstmal alles genießt und setzen lässt und stolz auf sich ist. Dann werden wir sehen, was das im Hinblick auf Olympia und die US Open bedeutet. Das ist wieder Hartplatz, das heißt, der Körper muss sich auch umstellen. Leider wurde ja verkündet, dass die Olympischen Spiele in Tokio ohne Zuschauer stattfinden. Das wird auch Angie sehr traurig machen. Dann werden wir abwarten, wie es weiterläuft. Aber eins ist klar, sie hat sich wieder in die Weltklasse zurückgespielt und mit ihr ist auf jeden Fall wieder zu rechnen."
Teile des Interviews finden Sie auch hier bei eurosport.de.