Draisaitl im Exklusiv-Interview, Becker spricht sich für Olympia in Deutschland aus - McGrath erklärt Flucht in den Wald
Zu Beginn der zweiten Olympia-Woche spricht Leon Draisaitl bei Eurosport über Stänkereien, Senf und schwierige Spiele. Boris Becker äußert im Eurosport-Studio Verständnis für die Flucht von Atle Lie McGrath und spricht sich für Olympia in Deutschland aus. McGrath selbst erklärt, seine Flucht gegenüber norwegischen Kollegen.
Die deutschen Eishockey-Männer sind mit einem Sieg und zwei Niederlagen ins olympische Turnier gestartet. Vor dem Beginn der K.o.-Phase hat Eurosport exklusiv mit DEB-Kapitän Leon Draisaitl gesprochen. Dabei blickt der Superstar nicht nur auf das weitere Turnier voraus, sondern äußert sich auch zur Stänkerattacke von Matthew Tkachuk nach dem Spiel gegen die USA und würde sich wünschen, dass die Mannschaft mit ihrem Spiel das ganze Land hinter sich bringen kann.
Im exklusiven Eurosport-Interview spricht Leon Draisaitl mit Patrick Ehelechner...
...über den provokativen Spruch von Matthew Tkachuk: "Das ist sein Spiel. Das kann er seiner Meinung nach ja ganz gut. Bei mir kommt das jetzt nicht so an, aber es gehört dazu. In den Medien wird das dann immer ein bisschen größer dargestellt, als es tatsächlich ist. Mehr kann ich dazu jetzt auch nicht sagen. Es interessiert mich jetzt nicht so wirklich." (Ehelechner: Da ist der Senf interessanter?) "Ja, um einiges!"
...darüber, warum er im USA-Spiel eine Tüte Senf geschlürft hat: "Senf ist total gut gegen Krämpfe. Wenn man Krämpfe bekommt, wirkt das bei mir am besten. Wenn ich das Gefühl habe, dass es dazu kommen könnte, bin ich ab und zu ein bisschen proaktiv und hau mir einen Löffel Senf rein."
...darüber, dass er sich wünschen würde, "dass das ganze Land hinter uns steht, wenn jetzt die wirklich wichtigen Spiele anfangen. Da kann man ganz schnell als komplette Nation zusammenkommen. Man merkt das bei der Fußball-WM und den großen Turnieren. Es wäre cool, wenn wir das auch hinbekommen, das den Fans zu geben, damit sie uns das dann zurückgeben können."
...über das Frankreich-Spiel: "Das wird ein schwieriges Spiel. Ich bin der Meinung, dass es bei diesem Turnier keine schlechte Mannschaft gibt. Natürlich ist es eine Mannschaft, die schlagbar ist. Das wissen wir. Wenn wir unser Spiel durchziehen und ein bisschen konsequenter sind, haben wir eine gute Chance, das Spiel zu gewinnen. Nur werden die Franzosen uns das sicherlich nicht leicht machen, und werden sich dagegenstemmen. Das müssen wir uns bewusst sein. Wir freuen uns auf das Spiel."
Am Montagabend durften Birgit Nössing und Fabian Hambüchen den Eurosport-Tennisexperten Boris Becker im Studio im WBD House in Cortina begrüßen. Das Trio sprach dabei unter anderem über die Flucht von Atle Lie McGrath nach seinem Aus im Slalom sowie eine mögliche deutsche Olympia-Bewerbung.
"Ich glaube es wäre unglaublich wichtig, dass die Olympischen Spiele wieder nach Deutschland kommen", sagt Becker. "Was es für das Land bringt, diese unterschiedlichen Kulturen ins Heimatland zu bringen. Man hat auch gesehen, was die Fußball-WM 2006 für ein Erfolg für Deutschland war und Ähnliches erwarte ich mir dann auch für die Sommerspielen 2040 oder 2044. Die Frage ist eben: Wo? Ist es Hamburg, ist es NRW oder ist es München. Da halte ich mich raus. Aber Hauptsache es ist in Deutschland."
Becker fühlt auch mit Atle Lie McGrath, der nicht nur im Slalom der Herren in Führung liegend ausschied und danach die Flucht in den Wald suchte, sondern auch den Tod seines Großvaters zu verkraften hat: "Ich kann das nachvollziehen. Er ist ehrlich mit seinen Emotionen umgegangen. Man will alleine sein und nicht in der Weltöffentlichkeit direkt Rede und Antwort stehen. Auch nach großen Siegen hatte ich das Bedürfnis, erst einmal bei mir zu bleiben oder zusammen mit meinem engsten Umfeld zu sein und wollte nicht direkt ans Mikrofon. Denn es ist so eine lange Arbeit gewesen. So eine Chance erarbeitet man sich nicht in einer Woche. Den Preis, den man zahlen muss, geht über Jahre und Olympia ist nur alle vier Jahre. Das sind echte Schmerzen, die man fühlt."
Im Interview, bei dem auch die norwegischen Eurosport-Kollegen dabei waren, erklärte McGrath die Situation und gab Einblicke in seine Gefühlswelt.
Atle Lie McGrath über...
...den Jubel des Schweizer Trainers nach seinem Ausscheiden: "Das war das Erste, was ich gesehen habe. Ich muss dazu nichts sagen, und das sagt alles, was ich darüber denke."
...über seine Flucht in den Wald: "Ich wollte Zeit für mich allein. Ich war überwältigt, die Gefühle überwältigten mich. Was konnte ich sonst tun? Ich dachte, vielleicht hätte ich dort etwas Zeit für mich allein, aber es gab Fotografen, die mich gefunden haben. Ich weiß nicht, es sind einfach Gefühle, die sich körperlich äußern."
...seine Gedanken auf dem Weg über den Hang: "Es war super rutschig, also bin ich etwa fünf Mal hingefallen.
Und ich dachte, dass dies eine der schwierigsten Phasen meines Lebens ist. Dass ich es mit einem Einfädler gekrönt habe, als ich mit sechs Zehnteln in Führung lag, passte sehr gut."
...die Medaille, die er für seinen verstorbenen Großvater gewinnen wollte: "Es ist schwer zu beschreiben. Es ist eine Leere, die ich noch nie zuvor empfunden habe. Ich habe in letzter Zeit viel Leere und Traurigkeit empfunden, aber das war etwas anderes. Ich war einfach ein bisschen perplex."